KG. Blaukappen Heppendorf von 1930

Neubeginn 1948

Neubeginn 1948

1948 hatte man sich von braunem Staub weitgehendst befreit und fand wieder ein Umfeld, das es gestattete, der Narretei zu frönen. In diesen Nachkriegstagen war mehr denn je die Befreiung von der drückenden Last einer unsäglichen Vergangenheit zu spüren. In diesem Jahr übernahm Peter Bischof das Amt des 1. Vorsitzenden und Präsidenten, Heinrich Merzenich wurde 2. Vorsitzender.
Unter dem organisatorischen Talent von Peter Bischof fanden von 1948 bis 1950 drei Sitzungen der KG im vollbesetzten Saale Schumacher statt. Sitzungspräsident 1948 und 1949 war Peter Bischof. 1950 übernahm Christian Kratz diese Aufgabe. Als Zeremonienmeister fungierten Josef Schützendorf und Günther Soyka, Matthias Schmitz betätigte sich als Maskenbildner.

Für die musikalische Unterhaltung während der ersten Veranstaltungen sorgte die eigene Dorfkapelle: Peter Klein (Küster) Klavier, Ferdinand Moll, Akkordeon, Stefan Wirtz bzw. Lambert Weidenfeld, Schlagzeug. Alle Sitzungen wurden selbstverständlich von dorfeigenen Akteuren bestritten, zu denen schon damals unser verstorbener Schatzmeister Josef Brand und Hans-Peter Theel gehörten.
Hier überließ Präsident Peter Bischof nichts dem Zufall. Bevor Büttenredner und Liederkünstler öffentlich auftreten durften, mussten sie ganz privat im Hause „Bischof„ vorsprechen.
Die erste Sitzung 1948 lief noch während der Reichsmarkzeit ab (die Währungsreform war am 20. Juni 1948). Viele Heppendorfer Bürger werden sich noch an den selbstgebrannten „Knolleschabau„ erinnern, der auch schon mal Anlass zu Handgreiflichkeiten war.

Die Karnevalssession 1949 begann mit einem weiteren Höhepunkt: Christian Geuer, bereits 1939 Mitglied der KG, etablierte sich als erster Karnevalsprinz von Heppendorf. Mit seiner Gemahlin als Prinzessin zog er damals bereits im Prinzenkostüm gegen 22.00 Uhr unter unbeschreiblichem Jubel und Alaaf-Rufen in die laufende Sitzung des hoffnungslos überfüllten Saals Schumacher ein.
Wie Christian Geuer zwischenzeitlich verraten hat, konnte das Kostüm nur gegen die damals übliche Landeswährung „Butter, Eier, Speck„ organisiert werden.
Karnevalssonntag hörte man auch schon die Parole „De Zoch kütt„. Der Prinz mit Prinzessin und Gefolge ließen es sich nicht nehmen, im eigenen Karnevalswagen durch Heppendorf zu fahren.

Von den Wogen des Aufschwungs getragen führte die KG 1949 neue Mützen ein. Die Mützen wurden in Köln gekauft und teilweise mit Naturalien bezahlt oder „gemaggelt“, wie man damals zu sagen pflegte.

Aber auch damals wurde in der KG nicht nur gefeiert, es musste auch gearbeitet werden. Nachstehend ein Protokoll vom 8.April über eine Versammlung.

Generalversammlung der Karnevalsgesellschaft „Blaukappen“

bei Hoch am 8.April 1951

Die Versammlung wurde gegen 18.45 Uhr vom Vorsitzenden Herrn Bischof eröffnet.
Nach der Begrüßung durch denselben wurden 18 Mitglieder gezählt.
Als Hauptpunkt der Tagesordnung wurde eine Ergänzungswahl zum Vorstande vorgenommen.
Bei Abstimmung durch Stimmzettel wurden gewählt:
Als 1. Schriftführer W.Pickartz
Als 2. Schriftführer P.Marx, Widdendorf
Als Beisitzer W.Stumm und C.Geuer
Der Gesamtvorstand setzt sich ab dato wie folgt zusammen:

1.Vorsitzender P.Bischof
2.Vorsitzender H.Merzenich
Kassierer H.Brand
1.Schriftführer W.Pickartz
2.Schriftführer P.Marx, Widdendorf
Beisitzer W.Stumm und C.Geuer

Nach Verlesung des Kassenberichts durch den Kassierer ergab sich ein Kassenbestand von 252,92 DM.
Der Mitgliederbestand beträgt zurzeit 34 Mitglieder

Durch einfache Abstimmung wurden folgende Mitglieder in den Verein neu aufgenommen:

Hoch, Theodor
Schafstall, Johann
Hamacher, Toni

Der Vorstand wurde ermächtigt, in Zukunft die Aufnahme neuer Mitglieder selbst vorzunehmen.
Auf Vorschlag aus der Versammlung heraus wurde der Vorstand insgesamt bis nach der Karnevalssession 1954 einstimmig in seinem Amte von der Versammlung bestätigt.
Um dem Verein eine rechtliche Grundlage zu geben, wurde der Vorstand beauftragt, ein Vereinsstatut auszuarbeiten und in der nächsten Versammlung vorzulegen.
Die Versammlung soll möglichst frühzeitig vor Beginn der kommenden Karnevalssession stattfinden.
Bei Schluss der Versammlung waren 28 Mitglieder anwesend.
Gegen 22.45 wurde die Versammlung durch den Vorsitzenden geschlossen.



Der damalige Schriftführer Willi Pickartz pflegte seine Protokolle mit einigen Bonmots zu würzen, z.B. „Als Abrundung des geschäftlichen Teils wurde der gute Ablauf der Versammlung durch die Vereinskasse etwas angefeuchtet“.

Aus dem Zeitraum 1952 bis 1954 existieren ebenfalls zwei Mitgliederlisten.

1952-1953

Mitglieder der KG „Blaukappen“

Bischof, Peter Stumm Willi
Merzenich, Heinrich Esser, Fritz
Brand, Heinrich Schützendorf, Josef
Schütz, Sebastian Linnerz, Peter
Merzenich, Josef Zemelka, Vinzenz
Merzenich, Bernhard Theel, Peter
Merzenich, Reiner Kratz, Christian
Schumacher, Adam Brabender, Johann
Esser, Heinz Brabender, Paul
Consten, Peter Schmitz, Mathias
Maus, Josef Hamacher, Toni
Stroßer, Willi Schäffer, Eugen
Geuer, Christian Nikolin, Kaspar
Schumacher, Ludwig Marx, Paul
Müller, Peter Pickartz, Willi
Schütz, Adam (junior) Pesch, Josef
Brand, Josef Marx, Paul
Mess, Lothar Hoch, Theodor
Esser, Gerhard Schafstal, Johann
Weiß, Franz Heuterges, Engel

Im Jahre 1952 wurde die noch vorhandene erste Präsidentenmütze angeschafft.

Auf der Versammlung vom 17.Februar 1954 wurde laut Protokoll folgendes festgehalten:
„Auf zahlreiche Anregungen aus der Bevölkerung heraus, fühlte sich der Vorstand veranlasst, erstmals zu Weiberfastnacht ein zünftiges Karnevalstreiben zu veranstalten“. Hiermit war in Heppendorf der Weiberfastnacht eingeführt. So ganz traute man der Sache allerdings nicht, denn im selben Protokoll steht auch: „Zur Wahrung der Interessen des Vereins wird folgender Beschluss gefasst: Sämtliche Ein- und Ausgaben übernimmt der Festwirt Geuer. Als Gegenwert zahlt Geuer dem Verein DM 50,00“. Aber man konnte auch großzügig sein: „Sollten die Kosten bedeutend über den Einnahmen liegen, so kann der Betrag ganz oder teilweise erlassen werden“. Ab 1954 war Weiberfastnacht offiziell ins Karnevalsgeschehen eingebunden, wobei der Möhneball recht bald ein besonderer Glanzpunkt der närrischen Tage wurde und bis heute geblieben ist.

1955 feierte die Gesellschaft ihr 25-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass wurde den Gründern und Jubilaren ein besonderer Orden überreicht.

Auf der Versammlung am 7.Jannuar 1956 wurde der Mitgliedsbeitrag auf DM 2,00 festgesetzt. Man beschloss auch, in Anerkennung seiner Leistungen im Verein, bei Paul Marx in Widdendorf ein karnevalistisches Treiben zu veranstalten. Der Vorstand wurde ermächtigt, einen Betrag aus der Vereinskasse zur Verfügung zu stellen. Die Teilnahme an dieser Veranstaltung war für jedes Mitglied bindend!!!

Dass die „Blaukappen“, wie jeder andere Verein auch, mit den Finanzen zu kämpfen hatte, das geht aus einem, auf emotional hoch stehendem Niveau, geschriebenen Brief vom 23.Februar 1959 an die Gemeinde Heppendorf hervor.

„Antrag der KG „Blaukappen“ Heppendorf auf Ermäßigung der Lustbarkeitssteuer für durchgeführte Tanzlustbarkeiten 1959“.
„Hiermit bitten wir um Ermäßigung der Lustbarkeitssteuer auf DM 100,00 statt der vorgesehenen DM 167,00“. Als Begründung wurde angeführt:
„...sachlich gesprochen sind die Unkosten einer Veranstaltung heute so hoch, dass stets mit einem Verlust statt denn einem Gewinn zu rechnen ist...doch sind wir, um es nochmals zu sagen, am Ende unsere finanziellen Kraft angelangt“. Diesem Wehklagen konnte sich die Gemeinde nicht verschließen. Dem Antrag der geschundenen KG wurde stattgegeben.

1961 wurden einige Posten vakant. Am 14.Januar 1961 wurde Heinrich Merzenich Nachfolger von Peter Bischof, der nach 13-jähriger Amtszeit als Präsident zurücktrat. 2. Vorsitzender wurde Paul Marx (Stammeln).
In den darauf folgenden Jahren wurden regelmäßig Versammlungen und Karnevalsveranstaltungen durchgeführt, ohne jedoch die Höhepunkte zu erreichen, die in den Nachkriegsjahren der KG einen erheblichen Aufschwung beschied. Hier mag auch der fortschreitende Wohlstand (Wirtschaftswunder) und der Einfluss des Fernsehens eine Rolle gespielt haben.

1968 betritt unser heute ehemaliger Präsident Josef Merzenich die Arena der KG und kann die ersten Gehversuche innerhalb eines Karnevalsvereins machen. Er absolvierte jedenfalls seine karnevalistische Lehrzeit zu einem Zeitpunkt, wo sein Vater Präsident war.

1970 übernehmen die neu gegründeten „Zochjecke“ die Veranstaltung des Karnevalszuges. An ihrer Spitze stehen die beiden Aktivisten Peter Weihs und Johann Heinrichs.
Anstelle des verstorbenen Wilhelm Pickartz wird Heinrich Hoch zum Schriftführer gewählt.

Am 30. Juli 1971 legte der 2.Vorsitzende Paul Marx (Stammeln) aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nieder. Als Nachfolger wurde Leo Schauff gewählt.

Am 12. August 1974 legte Heinrich Merzenich sein Amt aus Altersgründen sein Amt nieder.
Die Versammlung dankte ihm für die langjährige Arbeit und wählte ihn einstimmig zum Ehrenvorsitzenden. Zu seinem Nachfolger wurde in einer knappen Kampfabstimmung Otmar Dolfen gewählt, der damit die Geschicke des Vereins lenken sollte. Unter dem neuen Vorstand beginnt die Beteiligung der „Blaukappen“ am Karnevalszug.
Man präsentiert sich in den folgenden Jahren mit wechselnden Motiven beim Karnevalszug. Die KG stellt immer wieder einen Wagen und die Mitglieder kommen in Scharen, als es gilt, bei Hans Leo Schauff, Heinz Willi Merzenich und Toni Merzenich diese Wagen zu bauen. Die räumliche Nähe zur Schreinerei unseres Mitgliedes Gerhard Engels erwies sich für die „Wagenbauer“ als großer Vorteil. Hier wurde stets mit Rat und Tat geholfen.

Am 13 Mai wurde der amtierende Vorstand mit Otmar Dolfen als Präsident in seinem Amt bestätigt.

Am 26. Mai 1978 legte Otmar Dolfen das Amt aus persönlichen Gründen nieder. Der bisherige 2.Vorsitzender Hans Leo Schauff übernimmt dieses Amt kommissarisch